Donnerstag, 16. Januar 2020
Geschnitten?
Geschnitten? Die Frage von der Bäckereifachverkäuferin kennen Sie auch: "Möchten Sie das Brot geschnitten haben?"
Meiner Beobachtung nach beantworten sehr viele diese Frage mit Ja. Dann verschwindet das geschnittene Brot in einer Plastiktüte.
Ich beantworte die Frage mit: „Nein danke, ich bin normal.“
Dass ich als Vernünftiger immer diese Frage beantworten muss, ist alles andere als normal. Die Bäckereien sollten das Brot nur auf die ausdrückliche Bitte eines Käufers hin in Plastik verpacken und ansonsten immer ungeschnitten in eine Papiertüte.
Die Frage "Haben Sie eine Deutschlandkarte" ist übrigens genauso dämlich. Wer meint, eine haben zu müssen, soll das gefälligst von sich aus anzeigen.

Was gegen eine Plastiktüte spricht, ist dermaßen offensichtlich, dass man sich fast nicht traut, die Argumente zu benennen.

1. Plastikmüll:
Die meisten Plastiktüten wandern nach dem ersten Gebrauch im besten Fall in den gelben Sack und werden mit viel Energieeinsatz recycelt. Im schlechten Fall landet die Plastiktüte irgendwo in Afrika. Auf der einen Seite werden die Einkaufstüten aus Plastik verboten und auf der anderen Seite explodiert der Verbrauch von Plastiktüten für Brot. Warum sollte das eine besser als das andere sein?

2. Geschmack/Sensorik:
In der geschlossenen Plastiktüte wird das Brot weich. Ein Bäcker, der im Idealfall von der Qualität seines Brots überzeugt ist, legt Wert darauf, dass sein Brot eine knusprige Krumme hat. Bei Brot in Plastik ist alles nur noch weich. Jedem eingefleischten Bäcker muss die Hutschnur hochgehen, wenn er sieht, dass sein mit Liebe gebackenes Brot in Plastik verpackt wird. Wozu gehen die Leute dann überhaupt in eine Bäckerei? Dasselbe geschmacklose Brot bekommen Sie im Supermarkt günstiger.

3. Schimmel:
Bevor Schimmel sichtbar wird, ist er schon vorhanden. Trocken, luftig und nicht zu warm – so mag Brot es am liebsten. Das feuchtwarme Klima im Plastikbeutel ist der ideale Nährboden für Mikroben aller Art. Zwischen +20°C und +40°C vermehren sich die meisten Mikroorganismen am schnellsten. Unter optimalen Bedingungen verdoppelt sich das Bakterium, z.B. „Escherichia coli“ alle 20 Minuten. Eine einfache Rechnung zeigt, dass auf diese Weise aus einem einzigen „E.coli-Bakterium“ innerhalb von acht Stunden über 16 Millionen Nachkommen entstehen können.
Die giftigen Stoffe im Schimmelpilz können nach dem Verzehr Leber und Niere schädigen. Das Gift Aflatoxin beispielsweise ruft schwere Leberschäden hervor und wirkt krebsfördernd.

4. Weichmacher
In Kunststoff befinden sichWeichmacher. Sie wirken u.a. hormonell. Männer sind deshalb heute nur noch halb so fruchtbar wie vor 40 Jahren.

Bäcker, schafft die Plastiktüten ab! Warum nur mussten alle Bäcker dem Beispiel eines einzigen dummen Bäckers folgen, der auf die glorreiche Idee kam, sich dadurch einen vermeintlichen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, dass er geschnittenes Brot als erster anbot? Schwachsinn wird nicht dadurch besser, dass es alle nachäffen und Verbraucher es kritiklos nachfragen.

Hört auf damit, mir, der ich euer Handwerk und euer Produkt zu schätzen weiß, die Frage „Geschnitten?“ zu stellen. Das nervt. Ich bin der Gourmet, die anderen sind Banausen. Lasst sie dazu auffordern, es zu schneiden, und nicht mich, die Frage zu verneinen! Normal ist, das Brot nicht zu schneiden. Es in Plastik zu packen, ist anormal um nicht zu sagen pervers!

Unterstützt nicht die Faulheit von Leuten, denen schon das Schneiden einer Brotscheibe zu viel Arbeit ist.

Glaubt mir. Auf solche Kunden könnt ihr locker verzichten!



Sonntag, 14. Dezember 2014
SUV + Crossover = ~§%&?
Schon in der Bibel heißt es: "An ihren Taten sollt ihr sie erkennen!" (1. Johannes 2,1-6). Diese Lebensweisheit könnte man auch auf das Kaufverhalten der deutschen Automobilkäufer anwenden: "An ihren Autos könnt ihr sie erkennen!".

Deutschland, das Land der Dichter, Denker und Fahrzeug-Lenker? Das Auto spielt im Seelenleben der Deutschen eine wichtige Rolle. Mehr als zwei Drittel der Autofahrer denken mehrmals im Monat über ihr Fahrzeug oder das Fahren im Allgemeinen nach, wie eine Umfrage der Sachverständigenorganisation KÜS ergeben hat. Jeder Zehnte tut das sogar nahezu täglich. Am meisten beschäftigen Fragen rund ums Auto dabei die jüngeren Autofahrer: Unter den 18- bis 39-Jährigen denken 18 Prozent täglich daran, bei den Über-61-Jährigen sind es nur noch 7 Prozent.

Früher wurden Autos so gezeichnet, um sie zu karikieren, heute werden sie so gebaut und überaschenderweise auch zu­hauf gekauft. Gemeint sind die Seniors Ugly Vehicle oder abgekürzt SUV.

SUV oder Sport Activity Vehicle - so meint BMW, den X6 bezeichnen zu müssen - sind äußerst beliebt bei den Deutschen. Jede Automarke hat inzwischen mehr hochgebockte oder höhergebaute PKW in ihrem Fuhrpark als flache, darunter viele, die nicht einfach SUV sondern City SUV, Kompakt SUV oder Cross Over genannt werden. Ich vermute, dass man mit dem City SUV bis zur Stadtgrenze fährt und dann in den großen Bruder umsteigt. Für die Autobahn sind beide suboptimal. Zum Teil sehen sie aus, als ob sie einem Comic entsprungen wären oder gleich in einem Teich schwimmen gehen wollten. Die Front dieser Fahrzeuge darf gerne auch martialische Züge tragen. Ein SUV soll sich durchaus wie ein Panzer anfühlen. Nur ganz so aussehen, darf er natürlich nicht. Man möchte sich schließlich zumindest einen Hauch von Pazifismus erhalten.

Die Basis der Cross Over ist das flache Pendant. Cross Over bekamen lediglich Luft unter den Boden, das Dach und die Motorhaube damit sie dem Trend entsprechend einen Hauch von SUV verströmen. Begründet wird dies gerne mit höherem Sicherheitsgefühl, größerer Übersichtlichkeit und leichterem Ein- und Ausstieg.
Ein willkürlich herausgegriffener Vertreter dieser Spezies ist der Ford Kuga. Bei ihm sieht man von hinten betrachtet einen Unterbodenschutz aus Kunststoff. Es sollte jedem klar sein, dass das eine Attrappe und kein Schutz ist. Die wenigsten SUVs werden jemals etwas anderes als Asphalt unter den Rädern spüren und somit den vermeintlichen Unterbodenschutz keiner Belastungsprobe unterziehen, was auch besser sein dürfte. Selbst ein Oberklasse-SUV wie der Jaguar F-Pace hat diese "schicken", farblich abgesetzten Kunststoff-Attrappen. Ich habe nichts gegen Kunststoff am Auto aber bitte an anderer Stelle und in Wagenfarbe.
Diese Autos sportlich zu nennen, kann man nur als Übertreibung bezeichnen. Ein Auto ist nicht automatisch sportlich, sobald ein fetter Motor drinsteckt. Oder kennen Sie Rennautos, die nicht möglichst flach sind? Der Grund dafür ist einleuchtend. Ein höherer Schwerpunkt wirkt sich vor allem in Kurven negativ aus. Und der Luftwiderstand bremst zudem.
Wofür bitte soll Activity beim X6 stehen? Für das aktive Durchdrücken des Gaspedals? Schon Top Gear-Moderator Jeremy Clarkson befand: Für das Gelände ungeeignet, schlechte Rundumsicht, ungenügendes Raumangebot.

Cross Over wörtlich genommen suggeriert: Dieses Fahrzeug sprengt Grenzen. Die Wahrheit fällt leider weniger großspurig aus. Es soll die Eigenschaften mehrerer Spezialisten in sich vereinen. Das bedeutet aber, dass dafür zwangsläufig Kompromisse eingegangen werden müssen. Sonst hätten die Spezialisten keine Daseinsberechtigung. Ein richtig geländegängiges Fahrzeug kann auf der Autobahn nun mal nicht glänzen. Ein Cross Over kann ein bisschen von dem und ein bisschen von dem aber nichts so gut wie die Spezialisten. Wozu soll es gut sein, ein bisschen Geländegängigkeit zu haben, wenn ich nie im Gelände bin, dafür aber Meter für Meter Nachteile auf der Straße habe?

Das einzige Argument, das zutrifft, ist der leichtere Ein- und Ausstieg. Bei Menschen, die körperlich so angeschlagen sind, dass ihnen das Ein- und Aussteigen Probleme bereitet, habe ich Verständnis für den Kauf eines höhergelegten Autos. Im Vergleich zur Dauer, die man fahrend im Auto verbringt, wird aber für das Ein- und Aussteigen nur ein Bruchteil der Zeit benötigt und stellt für die meisten Fahrer von SUVs kein Problem dar. Und für diese kleine Annehmlichkeit werden alle Nachteile eines SUV in Kauf genommen?

Davon gibt es jede Menge:
Höheres Gewicht, weniger Leistung, höherer Luftwiderstand (cw-Wert * Stirnfläche), höherer Verbrauch, mehr Emissionen, höhere Windanfälligkeit, mehr Windgeräusche, schlechteres Kurvenverhalten, höherer Reifenverschleiß (= Mikro- und Makroplastik), mehr Bremsenabrieb (= gesundheitsschädlicher Feinstaub).
Ohne elektronische Hilfen hätten SUVs Mühe den Elch-Test zu bestehen! Man erinnere sich nur an die erste Mercedes A-Klasse von 1997, die ursprünglich ohne das damals nur im Premium-Segment angebotene ESP verkauft werden sollte, sich ohne ESP aber schwungvoll auf die Seite legte und dann nachgerüstet wurde. Ein Fahrzeug, das nur mit ESP den Elch-Test besteht, bietet weniger Sicherheit als eines, das es auch ohne schafft und durch ESP noch an Sicherheit dazugewinnt. Oder?
Wie schaffen es so viele Menschen, vor diesen Tatsachen die Augen zu verschließen? Hat der vernunftbegabte Mensch die A-Klasse nach dem Elchtest-Debakel 1997 links liegen gelassen? Nö.
Erstaunlicherweise beschloss Daimler inzwischen, dass die A-Klasse sportlicher werden müsse. Sie verlor daher an Höhe, gewann aber natürlich an Breite. Mehr Breite geht offenbar immer, seit Jahrzehnten, bei allen PKWs.

Die erhöhte Sicherheit in einem SUV halte ich für ein Märchen. Mehr Masse, mehr Gewicht, mehr Steifigkeit und der höhere Schwerpunkt sind keine Rezepte für mehr Sicherheit. Richtig allerdings ist, dass das höhere Gewicht von SUVs für den normalen PKW zum Nachteil bei einem Frontal-Crash werden kann. Vorteile zum Nachteil anderer Autofahrer. Ist es das, was beim Kauf eines SUVs angestrebt wird? Wundern würde mich auch das nicht.

Es ist zu vermuten, dass die Entscheidung für einen Möchtegern-SUV oder echten SUV in den meisten Fällen hormon- und nur äußerst selten rational gesteuert ist.
Deutschlands Bevölkerung wird zunehmend älter. Daraus resultiert die Vorliebe für die höhergelegten und höhergebauten Fahrzeuge. Flottes Fahren, schnelles und damit sicheres Überholen ist bei dieser Clientel in der Prioritätenliste eher weiter unten angesiedelt. Was aber treibt junge Fahrer dazu, sich ein adipöses Blech-Ungetüm zuzulegen?
Idealerweise werden Autos für einen bestimmten Zweck entwickelt, so dass sie besonders geländegängig, besonders sportlich oder besonders sparsam sind. Einzig der SUV oder Cross Over hat keinerlei besondere Fähigkeiten. Er kann in allem nur mittelmäßig sein und keinesfalls besonders "Sport"- oder "Utility"-tauglich.
Es ist ein Hohn, auf diesen Fahrzeugen hinten "eco" oder "bluetec" zu lesen. Was nützen effiziente Motoren, wenn der Luftwiderstand alle Effizienz zunichte macht! Vor Jahrzehnten wurden Neuwagen noch mit der Angabe ihrer cw-Werte angepriesen, als dort noch größere Fortschritte zu erzielen waren. Danach verschwand die Angabe wieder. Mit der massenhaften Verbreitung der SUVs wäre es vernünftig, eine Vorschrift zu erlassen, den Luftwiderstand angeben zu müssen. Was würde man von jemandem halten, der vor sein Fahrrad quer zur Fahrtrichtung eine Luftbremse aus Brettern montieren und ein paar Hantelscheiben auf den Gepäckträger binden würde? Seltsamerweise stört dasselbe beim Auto niemanden, weil sich ja "nur" der Motor und nicht der Mensch mehr anstrengen muss. Für den damit verbundenen erhöhten Spritverbrauch und die erhöhten Emissionen interessieren sich traurigerweise die Käufer dieser Fahrzeuge überhaupt nicht. Dabei ist doch eines völlig klar. Um die gleiche Geschwindigkeit zu erzielen, benötigt der SUV mehr Leistung bzw. ist bei gleicher Leistung langsamer als ein herkömmliches Fahrzeug.

Beispiel:
Modell 

Mercedes GLC (SUV) 

Peugeot 3008 GT (Cross Over mit Null- Offroad-Kompetenz) 

Seat Leon ST FR 

Kraftstoff-Art 

Diesel 

Diesel 

Diesel 

Hubraum 

2143 ccm 

1997 ccm 

1968 ccm 

Zylinder 

Leistung 

150 kW / 204 PS 

133 kW / 180 PS 

135 kW / 184 PS 

Kraftstoffverbrauch kombiniert lt.
Hersteller 

5,4 l/100 km 

5,5 l/100 km 

4,6 l/100 km 

Beschleunigung von 0 auf 100 km/h 

7,6 s 

8,9 s 

7,8 s 

Höchstgeschwindigkeit 

222 km/h 

211 km/h 

228 km/h 

CO2-Emissionen 

131-143 g/km 

124 g/km 

121 g/km 

Leergewicht 

1770 kg 

1741kg 

1340 kg 

Gepäckraumvolumen mind. 

500 l 

390 l 

587 l 

Max. Drehmoment 

500 Nm / 1600-1800 rpm 

400 Nm / 2000-3750 rpm 

380 Nm / 1750-3000 rpm 

Preis ab 

47.000 EUR 

39.700 EUR 

25.000 EUR 


Statt eines Mercedes GLC hätte ich auch einen SUV von Jeep oder Range Rover nehmen können. Ist es nicht niedlich, dass man einen Hybrid-Jeep jetzt (Okt. 2020) mit Umweltbonus kaufen kann? Was für eine Farce! Der Grünen-Politiker Cem Özdemir sprach in diesem Zusammenhang völlig richtig von "staatlich subventioniertem Klimabetrug". "Viele fahren fast ausschließlich mit dem fossilen Verbrenner und nutzen die E-Mobilität nur zur Startbeschleunigung an der Ampel".

Das Hauptaugenmerk der "Designer" dieser Fahrzeuge liegt darauf, möglichst viel frontalen Luftwiderstand zu produzieren. Von Design zu sprechen, ist übertrieben. Letztlich ähneln sie zwei zusammengeklebten eckigen Schuhschachteln, einer minimal kleineren vorne und einer großen hinten.
Egal, womit ein SUV angetrieben, wird, er verschwendet immer Energie!

Wer sich für einen SUV oder Cross Over entscheidet, beweist vor allem eines: Unvernunft. Einer Mode blindlings zu folgen, ist nicht "hip" sondern das Gegenteil von klug. Um es mit Theodor Fontane zu sagen: "Gegen Dummheit, die gerade in Mode ist, kommt keine Klugheit auf."
Ein Großteil der Energie, die ein Fahrzeug für die Fortbewegung verbraucht, wird für die Überwindung des Luftwiderstands benötigt. Der Luftwiderstand steigt im Quadrat zur Geschwindigkeit. Windschlüpfigkeit wirkt sich nicht nur positiv auf die Endgeschwindigkeit aus, auch für den Spritverbrauch ist der Strömungswiderstand maßgeblich. Ab einer Geschwindigkeit von 60 km/h ist die Aerodynamik der entscheidende Faktor, weil dann der Luftwiderstand den Rollwiderstand übersteigt. Aus dem Koeffizienten und der gefahrenen Geschwindigkeit eines Autos sowie seiner Stirnfläche lässt sich der Strömungswiderstand berechnen. Und dieser schlägt sich dann direkt und unmittelbar im Benzinverbrauch nieder. So liegt zwischen cw 0,22 und 0,29 bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h ein halber Liter Mehrverbrauch. Bei 200 km/h sind es schon 2,7 Liter.
Die Verbrauchsangaben der Hersteller dagegen sind bekanntlich wenig aussagekräftig, im Schnitt um 42 Prozent zu tief. Auch im neuen WLTP-Prüfzyklus liegt das Durchschnittstempo bei gerade einmal 47 km/h. Bei diesem Stadttempo ist die Aerodynamik Nebensache - was die Abweichungen zu den Verbrauchswerten im realen Betrieb erklärt: Auf der Autobahn werden cw-Wert und die sogenannte Stirnfläche (A) entscheidend. Und die hat sich bei vielen neuen Modellen deutlich verschlechtert - vor allem durch die SUV-Mode. Fahrzeuge mit hoher Sitzposition mögen bequem sein, doch die wuchtigen Fronten haben die Aerodynamik einer Bretterwand. Aufgrund ihrer Höhe ist die Stirnfläche deutlich größer als bei klassischen Limousinen. Was multipliziert mit dem cw-Wert einen hohen aerodynamischen Gesamtwiderstand ergibt. Damit die sperrigen Autos nicht lahmer werden als ihre Vorgänger, steigt gleichzeitig die durchschnittliche Motorleistung. Kein Wunder, dass der Flottenverbrauch vieler Hersteller schon seit einiger Zeit stagniert oder sogar zulegt.

Einige VW-Modelle sind gute Beispiele dafür, wie sich die Karosserieform auf die Aerodynamik auswirkt. So kommen Golf und der höher ausgelegte Golf Sportsvan auf den gleichen cw-Wert von 0,3. Selbst Tiguan und Touareg schaffen einen Luftwiderstandsbeiwert von 0,32. Bei der Stirnfläche zeigen sich dagegen die Unterschiede zwischen Kompaktwagen, Kompaktvan und SUV: Hier reichen die Werte von 2,22 m² beim Golf über 2,41 m² beim Golf Sportsvan bis zu 2,84 m² beim Touareg. Das führt in der Summe dazu, dass die größeren Wagen bei der Aerodynamik schlechter abschneiden.

Während der Golf auf eine Widerstandsfläche (FW = cw * A) von insgesamt 0,66 kommt, sind es beim Sportsvan schon 0,72. Noch ungünstiger umströmt wird der Tiguan mit knapp 0,82, den schlechtesten Wert erzielt der Touareg mit 0,90. Das bleibt nicht ohne Folgen für den Spritverbrauch und die CO₂-Emissionen. So liegt der kombinierte Kraftstoffverbrauch eines Golf 1,0 TSI (63 kW) bei etwa 4,9 Litern. Der Sportsvan kommt mit dem gleichen Motor auf 5,0 Liter. Der Tiguan - technisch ebenfalls auf Golf-Basis - ist als Benziner kaum unter 6,0 Litern zu bewegen. Noch mehr genehmigt sich das Oberklasse-SUV, wobei auch Faktoren wie das Fahrzeuggewicht eine Rolle spielen. Der Touareg V6 3.2 V6 Benziner, 220 PS, kommt bei verhaltener Fahrweise auf 13,8 Liter.

Um erkennen zu können, dass das höhere Gewicht und der größere Luftwiderstand zu einem höheren Kraftstoffverbrauch führen, ist nun wirklich kein Hochschulabschluss notwendig. Jedes Kind versteht schnell, dass ein Nach-Vorne-Beugen des Oberkörpers beim Fahrradfahren das Strampeln erleichtert. Dem erwachsenen Autofahrer dagegen ist das alles plötzlich völlig fremd? Ich frage mich, worüber die Menschen so nachdenken, wenn sie, wie am Anfang meines Beitrags erwähnt, nachdenken. Wer sich trotz Nachdenkens, für einen solchen Wagen entscheidet, zeigt, dass ihn dieser Aspekt nicht interessiert. Um das Gewissen zu beruhigen, bekomme ich dann oft zu hören, dass der Unterschied ja wohl nicht so groß sei. Ich pflege dann zu antworten: Groß genug und Meter für Meter wirksam!
Jeder SUV- oder Cross Over-Fahrer merkt spätestens an der Tankstelle, dass der Verbrauch auf der Autobahn nach oben schnellt. Niemand kann behaupten, er wüsste nicht, was sein Fahrzeug verbraucht. Dass es ihm egal ist, aber schon. Und das ist es vielen. Auf ein Auto stolz zu sein, das ohne Sinn und Verstand allein durch Luftwiderstand Energie verschwendet, grenzt an Wahnsinn. Normal wäre, sich dafür zu schämen.

Die gemogelten Abgaswerte von VW, die im realen Betrieb viel höher ausfielen als im Labor, haben ordentlich Staub aufgewirbelt. Wo sind die Stimmen, die den Lifestyle-Trend zu SUV, dem immer mehr Autofahrer verfallen und der zu nicht unerheblich höherem Spritverbrauch und damit einhergehend mehr Emissionen in Deutschland führt, kritisch sehen? Umweltschutzorganisationen und Politiker schwiegen sich dazu lange Zeit weitgehend aus. Als die ersten SUVs auf den Markt kamen, regte sich noch vereinzelt Unmut. Als sie sich im Straßenbild etabliert hatten, verspürte bis vor Kurzem (=2019) keiner mehr Lust, sich den Groll der SUV-Fahrer zuzuziehen.

Eine Ausnahme bildete im März 2017 Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) beim Treffen der G20-Staaten als sie zum Thema Ressourceneffizienz sagte: "Eigentlich dürften SUVs nur für Bauern und Jäger erlaubt sein". Schon erstaunlich, dass dennoch nicht frühzeitig gegengesteuert wurde. Auch heute, im Jahr 2019, gibt es außer hilflosen Vorschlägen nichts Handfestes zu vermelden. Immerhin nehmen Politiker inzwischen das Wort SUV kritisch in den Mund. Cross Over werden nicht erwähnt, sind aber keinen Deut besser als SUVs und sollten daher in einem Atemzug genannt werden.

Die Universität Duisburg-Essen veröffentlichte im Juli 2019 eine Hochrechnung, wonach es über eine Million SUV-Neuzulassungen für das Gesamtjahr geben wird. Das veranlasste Politiker unterschiedlicher Couleur tatsächlich einmal, sich dazu zu äußern. Hier die Kommentare:
Kirsten Lühmann (SPD) : „SUV haben im Vergleich zu Kleinwagen einen erheblich höheren Schadstoffausstoß, werden aber zurzeit aus den verschiedensten Gründen – hohe Sitzposition, hohe Anhängelast, geländetauglich – vermehrt gekauft. Autokonzerne sollen angehalten werden, sowohl die technischen Entwicklungen voranzutreiben, als auch bei der Werbung gezielt emissionsarme Pkw anzupreisen, um die gesetzlichen Vorgaben zur Luftreinhaltung einhalten zu können.“
Ingrid Remmers (Linke) : „Statt weniger schmutzige Autos zu bauen, setzt die Autoindustrie nun auf besonders große, schwere und noch schmutzigere Autos. Es ist völlig absurd, 1,9 Tonnen Gewicht zur Beförderung von durchschnittlich 80 Kilogramm Mensch zu bauen. Weil sich nach dem Dieselskandal die alten Fahrzeuge nicht weiter verkaufen ließen, sollten es nun völlig übermotorisierte Panzermodelle richten. Damit wird der notwendige Klimaschutz ad absurdum geführt. 80 Prozent der SUV werden als Dienstwagen zugelassen und unterliegen damit einer niedrigen Besteuerung. Wir arbeiten an einem Antrag, die steuerliche Entlastung nach ökologischen Kriterien auszurichten. Zusätzlich muss auch die Kfz-Steuer nach den Kriterien des Klimaschutzes ausgerichtet werden.“
Oliver Luksic (FDP) : „Wegen der Vorliebe Älterer für Fahrzeuge, in denen die Passagiere auf höheren Sitzen einfacher Platz nehmen können, ist der Zuwachs eine logische Folge des demografischen Wandels. Die Nachfrage nach kleinen SUV wird ungebrochen bleiben, die von der Bundesregierung unterstützten CO2-Flottengrenzwerte verteuern diese aber zusätzlich massiv durch Strafzahlungen für Hersteller. Die Automobilindustrie wird das massiv treffen, der Autokäufer wird indirekt zahlen.“
Winfried Hermann (Grüne): „Wir wollen ein Mautsystem mit ökologischer und verkehrstechnischer Lenkungswirkung. Die Maut soll nicht nur zeitlich, sondern auch wie bei Lkw kilometergenau abgerechnet werden. Zudem könnte es eine Staffelung nach Emissionsklassen geben. Wer viel fährt und mit seinem Auto auch viele Treibhausgase produziert, der muss mehr bezahlen. Das wäre ein intelligenter und sinnvoller Beitrag zur Finanzierung der Mobilität der Zukunft.“
Einen sozialen Ausgleich erwähnt er nicht. Den fordern aber CDU, CSU und SPD.

Ich empfehle der FDP den SUV auf Krankenschein einzuführen. Wer unbeweglich genug ist, darf sich einen Cross Over oder SUV zulegen. Warum müssen Zigarettenschachteln drastische Warnhinweise wie "Wenn Sie rauchen, schaden Sie Ihren Kindern, Ihrer Familie, Ihren Freunden." enthalten und Autos nichts? Sind Autos etwa ungefährlich? Wenn man den Argumenten der Umwelthilfe glaubt, die SUVs in ihrer Betrachtung völlig ignorieren, wohl eher nicht. Ein deutlich sichtbarer Aufkleber auf jedem Auto mit der Angabe des CO2-Ausstoßes würde Druck aufbauen. Das werden Politiker selbstverständlich nicht beschließen. Ist zu einfach und stellt SUV-Fahrer bloß. Politiker lassen sich schließlich nicht nur von Vernunft sondern auch von Lobbyisten leiten.

Wieso glauben Firmen, dass ihre führenden Köpfe, Unterstützung in Form eines Blech-Panzers benötigen? Natürlich stehen hinter den Entscheidungen innerhalb der Firmen natürliche Personen. Es ist sicher nicht falsch, anzunehmen, dass die Entscheider sich für etwas entscheiden, das sie selbst haben und mögen. Die Entscheidung beruht weder auf Logik noch auf einer Abwägung des Für und Widers. Sie ist schlicht irrational. Etwas, das man in diesen Kreisen nicht unbedingt erwarten würde. Dass die Chefetage immer nur rational entscheidet, ist aber natürlich auch eine Illusion. Wer einmal irrational entscheidet, tut das nicht nur einmal.

Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA), die im Oktober 2019 veröffentlicht wurden, stiegen die CO2-Emissionen der weltweiten SUV-Flotte seit 2010 um 0,55 Gigatonnen auf rund 0,7 Gigatonnen. Damit leisteten die Pseudogeländewagen den zweitgrößten Beitrag zum Anstieg der weltweiten CO2-Emissionen seit 2010, nur der Ausstoß des Energiesektors stieg in diesem Zeitraum noch stärker an. Weltweit gibt es mittlerweile 200 Millionen SUV, 2010 waren es noch 35 Millionen. Besonders gravierend ist der Anstieg der CO2-Emissionen im Vergleich zu den übrigen Verbrenner-Pkw. Deren Anzahl stieg von 2010 bis 2018 zwar von 822 Millionen auf 952 Millionen, durch effizientere Motoren sparten sie seit 2010 jedoch zwei Millionen Barrel Öl ein - und das jeden Tag!

Laut einer Studie steht der Naturschutz für mehr als ein Drittel der deutschen Bevölkerung auf Platz 1 der wichtigsten politischen Aufgaben. Bei den 18- bis 30-jährigen sollen es - Influencer Rezo sei Dank (Wer konnte so etwas auch vorher wissen? - Jeder, meint Rezo im Video selbst!) - sogar 73% sein, die den Klimawandel für eine der großen Herausforderungen unserer Zeit halten. Das ist aber nicht mit der Bereitschaft, sich einzuschränken, zu verwechseln. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit stehen bekanntlich Egoismus, Gedankenlosigkeit, Gewohnheit und Bequemlichkeit. Man muss schon die Lupe bemühen, um in der Realität etwas von der schönen Fiktion erkennen zu können. Viele Menschen bewegen Fragen wie "Was macht(e) Zwergspitz Boo" (RIP - 16 Mio Follower) oder "Was weiß Beauty-Influencerin Mariand Castrejon, was ich nicht weiß?" (23,3 Mio Follower) mehr als "Geht die Welt zugrunde?". Sie sind der Meinung, das eine schließt das andere nicht aus? Stimmt, theoretisch.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden stieg die durchschnittliche Motorleistung von Neufahrzeugen von 123 PS im Jahr 2005 auf 137 PS im Jahr 2013. Das hat verheerende Auswirkungen für das Klima: Die immer höheren Motorleistungen von Pkw lassen den Kraftstoffverbrauch und damit die Kohlendioxidemissionen in die Höhe schnellen. Das führte 2013 im Vergleich zu 2005 – zumindest rechnerisch – zu einem Mehrverbrauch von 3,8 Milliarden Liter Kraftstoff und zusätzlichen 9,5 Millionen Tonnen CO2-Emissionen. Wäre dagegen die Motorleistung nicht gestiegen, wären nach Angaben der Behörde auch die Kohlendioxidemissionen um zwölf Prozent gesunken. Stattdessen betrug der Rückgang der Emissionen von 2005 bis 2013 nur 1,6 Prozent. Dem Bundesamt zufolge ist der Kraftstoff-Mehrverbrauch auch auf die zunehmende Anzahl von SUV und Geländewagen zurückzuführen. Das deckt sich mit Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes: 2014 wurden im Vergleich zum Vorjahr 20 Prozent mehr SUV zugelassen.

Eine andere Studie aus dem Jahr 2019 behauptet, dass den Deutschen Mikroplastik Angst macht. Wissen die Befragten, dass rund ein Drittel der Mikroplastik-Emissionen auf Reifenabrieb von PKWs entfallen und dass SUVs zwangsläufig mehr davon produzieren?
Wer weiß schon, dass Waschmaschinen und Wäschetrockner Mikrofasern in die Umwelt entlassen und wen interessiert es? Elektrische Wäschetrockner geben bei einem einzigen Durchlauf mehrere Tausend Mikrofasern in die Umgebung ab.

Meiner Beobachtung nach ist Umweltschutz für einen Großteil der Deutschen reines Wunschdenken. En masse verchwinden beim Bäcker geschnittene Brote in Plastik-Beuteln (=Schwachsinn), werden Kippen (=Sondermüll) aus dem fahrenden Auto geworfen, wird im Sommer im Stand Motor und die Klimaanlage laufen gelassen und im Winter an der Tanksäule in Erwartung einer freien Zapfsäule der Motor "natürlich" nicht abgeschaltet. Das Smartphone könnte schließlich einfrieren und das wird in dem Moment gebraucht.
Leider nicht überflüssig zu erwähnen ist, dass das Motor-Laufenlassen im Stand und das Benutzen des Handys bei laufendem Motor verboten ist. Ein Teil ist ahnungslos und den Rest kümmert es nicht. Das war schon immer so. Nirgendwo wird der Charakter der Menschen besser sichtbar als in der Interaktion mit ihrem Auto.

Eigentlich ist die Sache einfach: Glas zu Glas und Plastik zu Plastik. Nach einer neuen Studie (2020) klappt das mit der Mülltrennung in Deutschland fast perfekt - nur zwei Drittel der Abfälle landen in der falschen Mülltonne.

Wenn Sie eine Vorstellung davon bekommen möchten, was von deutschen Fahrzeuglenkern zu erwarten ist, empfehle ich, einmal darauf zu achten wie sie lenken. Ich gehe jede Wette ein, dass Sie nur wenige Sekunden warten müssen, um einen zu sehen, der bei Geradeausfahrt das Lenkrad mit der linken Hand auf 2:00 Uhr hält. Selbst einen Fahrlehrer konnte ich schon dabei beobachten, während er seinem Fahrschüler auf einem Motorrad folgte. Die fahren so auch in eine Rechtskurve. Dann liegt die linke Hand eben auf 3:00 oder 4:00 Uhr. Wie stehen die Überlebenschancen für ein Kind, das das Pech hat, vor ein solches Auto zu laufen? Schlecht! Wenn Sie mir nicht glauben, nehmen Sie an einem Fahrsicherheitstraining teil und probieren es aus oder fragen Sie Walter Röhrl. Ich bin mir sicher, dass er meine Meinung teilt. Sie meinen, wenn es Millionen und sogar Fahrlehrer machen, kann es ja wohl nicht so schlimm sein. Da bin ich völlig anderer Meinung. Es zeigt, wieviele talentfreie Autofahrer auf den Straßen unterwegs sind, die dort nichts zu suchen haben. Diese Fahrer finden eine Lenk-Methode für normal, die unsicherer nicht sein könnte. Nüchtern ausgedrückt: Solche Fahrer beweisen ein hohes Maß an Selbstüberschätzung, geistiger Unreife und Verantwortungslosigkeit. Bewundernswert mit welcher Arglosigkeit oder welchem Fatalismus Beifahrer diesem Treiben zusehen. An ihrer Stelle würde ich aussteigen! An dieser Stelle eine Bitte an die Automobilhersteller: Denkt doch mal darüber nach, bei Neufahrzeugen einen 2. Blinker auf 12:00 Uhr zu montieren. Dann könnten diese Lenker theoretisch auch wieder blinken.

Sie haben noch nie mit eigenen Augen gesehen, dass ein Auto auf gerader Strecke scheinbar grundlos in den Gegenverkehr fährt und dort frontal mit einem anderen Fahrzeug kollidiert? Ich schon. Ich fuhr unmittelbar hinter dem Unfallverursacher. Der junge Audi-Fahrer brach sich dabei das linke Handgelenk. Wäre er Linkshänder gewesen, wäre es das rechte gewesen. Er versuchte das Offensichtliche vor Gericht zu bestreiten, was einfach nur lächerlich und erfolglos war. Glauben Sie auch, dass Sie alles im Griff haben, wenn Sie beim Fahren das Handy benutzen? Sie machen sich etwas vor!
Hatte der entgegenkommende Fahrer eine Chance die Kollision durch Ausweichen zu vermeiden. Ja. Hat er sie ergriffen? Nö, nicht mal ansatzweise. Lenkrad, Hand, 2:00 Uhr? Die Talente dieses Fahrers liegen augenscheinlich auf anderen Gebieten.
Diese Menschen offenbaren charakterliche Schwächen. Unreflektiertheit z. B, um nur eine zu nennen. Würden Sie diesen Menschen Ihr Baby anvertrauen? Bedenken Sie: Charakterzüge legt man sich nicht zu und wieder ab wie Klamotten.

Autofahrer behaupten gerne, dass ihr Verhalten im Auto nicht mit ihrem Verhalten außerhalb des Autos vergleichbar sei. Das Verhalten im Auto ließe deshalb auch keine Rückschlüsse auf den Charakter zu. Ich bin auch der Meinung, dass ein Autofahrer, der sich weigert, Regeln zu befolgen, der gegenüber anderen Autofahrern unhöflich und aggressiv agiert, nicht zwangsläufig seine Partnerin schlagen muss. Er kann durchaus für seine Kinder liebevoll sorgen. Dennoch ist natürlich jedes Verhalten Teil der Persönlichkeit.
Aggression und Gewalt sind bis zu einem gewissen Grad Teil unserer DNA. Es leugnen zu wollen, ist naiv. Ob und wie aggressiv Menschen individuell sind, hängt von frühkindlichen Erfahrungen und Kontrollzentren im Gehirn ab. Aggression und Gewalt haben in der Evolution des Menschen eine lange Tradition. Die komplexen sozialen Interaktionen zwischen Artgenossen schließen bei Säugetieren wie auch dem Menschen aggressives Verhalten ein. Aggression hat sich im Laufe der Evolution unter hohem Selektionsdruck als Verhaltensstrategie entwickelt. Sie erhöht die Chancen auf optimale Futterressourcen bzw. Jobs und auf den besten Paarungspartner.

Das Autofahrer-Talent kon­gru­ie­rt stark mit dem Sportler-Talent, weil beide ähnliche koordinative Fähigkeiten verlangen.
Für 250 km/h auf gerader Autobahnstrecke benötigen Sie kein Talent, solange kein Reifen platzt. Einen Kreisverkehr unfallfrei zu durchfahren, schafft auch fast jeder. Beim "Wie" werden allerdings Unterschiede sichtbar.
Bei der Annäherung an den Kreisverkehr kommt es darauf an, einschätzen zu können, wo man selbst in 3 Sekunden sein wird und wohin sich andere in dieser Zeit bewegen werden. Sprich: deren Geschwindigkeit im Vergleich zur eigenen richtig einzuschätzen. Wie beim Ballspiel. Von den 30 Schülern in Ihrer Klasse, wieviele hatten in Sport eine Eins im Zeugnis stehen? Warum sollte es unter Autofahrern anders sein? 2,6 Mio Verkehrsunfälle in Deutchland 2019 sind nicht alles schicksalhafte "Un"- sondern begründbare "Vor"-Fälle.

Normalerweise geht es bei Prüfungen darum, die Talentierten von den weniger Talentierten zu trennen. Bei der Fahrschulprüfung ist das anders. Bei ihr geht es darum, alle, die es wollen, mit einem Minimum an Grundfertigkeiten auf die Straße zu bringen. Niemand, der den Führerschein in die Hand gedrückt bekommt, kann gut Auto fahren. Einige lernen es im Laufe der Zeit, manche stagnieren auf dem niedrigen Niveau und andere verlernen sogar von dem einmal Gelernten, z.B richtiges Blinken und Lenken.
Ein guter Fahrlehrer bringt seinen Schülern nicht nur die praktischen Handgriffe für die Prüfung bei sondern erklärt anhand von Beispielen aus der Praxis, worauf es beim Autofahren wirklich ankommt. Es geht eben nicht nur darum, Regeln für eine Prüfung auswendig zu lernen sondern darum zu verstehen, dass Regeln Sinn machen.
Denke ich an meinen Fahrlehrer zurück, fallen mir zwei Geschichten ein, die mir in guter Erinnerung geblieben sind.
1. Als ich das erste Mal auf eine Autobahn fahren durfte und auf die Beschleunigungsspur einbog, forderte mein Fahrlehrer mich dazu auf zu beschleunigen. Das tat ich, aber halbherzig. Weil ich es nicht tat, drückte er das Gaspedal bis zum Anschlag durch. Danach erklärte er mir, warum es Sinn macht den kompletten Beschleunigungsstreifen auch wirklich zum Beschleunigen zu nutzen. Ich habe es nie wieder anders gemacht.
2. Im theoretischen Unterricht erzählte mein Fahrlehrer zwischendurch immer mal wieder von seinen Erfahrungen. Einmal ging es um eine Kollision zweier Fahrzeuge, bei der er Augenzeuge war. Zunächst waren zwei Fahreuge hintereinander hergefahren. Dann bog der hintere Fahrer auf eine linke Abbiegespur während der Vordermann zunächst noch geradeaus fuhr. Kurze Zeit später blinkte der Vordermann aber ebenfalls links und fuhr auch dorthin. Der Hintermann, der sich bereits auf der Abbiegespur befand, missachtete dass der Vordermann ebenfalls auf die Abbiegespur wollte und es krachte. Sein Resume: Unabhängig von der Schuldfrage, es darf niemals an einem Auto vorbeigefahren werden, das in diese Richtung blinkt. Daraus folgt im Umkehrschluss, dass man nur dann blinkt, wenn man sich vergewissert hat, dass das Fahren in Blinkrichtung möglich ist und die angezeigte Absicht auch umsetzt. Blinken bedeutet "Ich werde in diese Richtung fahren, ob es euch passt oder nicht!". Es bedeutet nicht "Ich würde gerne irgendwann in diese Richtung fahren". Wenn gilt, dass an einem Blinkenden unter keinen Umständen vorbeigefahren werden darf, dann verbietet es sich von selbst, am Straßenrand zu stehen und links zu blinken, während der Verkehr an einem vorbeirollt.
Ein Fahrlehrer, der nur Wert darauf legt, zu erklären, wie man bei genau diesem Fahrzeug in der Prüfung rein mechanisch und nach Schema F erfolgreich rückwärts einparkt, hat seinen Beruf verfehlt.

Warum erzähle ich das alles? Nun, wenn es normal ist, einen SUV zu fahren, ihn mit der linken Hand auf 2 Uhr zu lenken und gleichzeitig mit der rechten Hand ein Smartphone auf Schoßebene zu bedienen - und das wird meiner Einschätzung nach eine Mehrheit für normal halten - dann bin ich mit Vergnügen nicht normal.
Die Wahrheit liegt allein in der Wahrheit. Es kommt nur Unsinn dabei heraus, wenn man die Mitte sucht zwischen einer kugelförmigen und einer scheibenförmigen Erde.

Dass es sinnlos ist, darauf zu hoffen, dass Autofahrer sich beim Kauf eines Autos wegen eines schlechten Gewissens gegen einen SUV entscheiden, sieht man an den steigenden Verkaufszahlen. In der Öffentlichkeit stehende Personen wie Frank Plasberg oder Oliver Welke kokettieren damit, SUVs zu verurteilen und nebenbei zu erwähnen, dass sie selbst einen fahren. Solange diese Dummheit nicht als peinlich wahrgenommen wird, wird sich auch nichts ändern. Freiwillig werden SUVs nicht wieder verschwinden. Auch der Kaffeekapseln- und Coffee-to-go-Müllberg wird, einmal ins Leben gerufen, nicht von alleine wieder verschwinden. Findet das jemand gut? Nein. Wird er deshalb kleiner werden? Nein.

Mercedes glänzt in letzter Zeit mit Gewinnwarnungen und SUV-Exzessen. Ein Zufall?

1. Der EQC 400 4Matic, 408 PS, 2,5 Tonnen, schafft nach WLTP mit einer Akku-Ladung 390 - 410 Kilometer. In der schnöden Realität sind es dann aber nur noch 300. Damit das überhaupt erreichbar wird, ist der Fahrmodus "Max Range" empfehlenswert. Und da wird die Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h garantiert nicht erreicht. Schneller fährt er in keinem Modus.

2. Der Mercedes GLS, der für den Hersteller „Ausdruck innerer Stärke“ ist, eigentlich für die Amis gebaut, die traditionell überdimensionierte Fahrzeuge mit viel Emissionen produzieren, ist nun auch in Deutschland zu kaufen. Nur dumm, dass die Spur zu breit für die Waschstraßen in Deutschland ist. Für die deutschen Kaufinteressierten eines solchen Panzers natürlich ein No-Go, schließlich will sich diese Clientel die Finger nicht selbst schmutzig machen. Für Mercedes kein Grund, ihn in Deutschland nicht anzubieten. Der Mega-Blechberg erhielt kurzerhand eine Waschstraßenfunktion. Die fährt die Luftfederung in die höchste Stellung, was die Spurbreite ausreichend verringert, und schon passt es wieder. Toll!

3. Der AMG GLA 45 4Matic verbraucht nach Herstellerangaben 8,5 l/100km. Der CO2-Austoß liegt bei 193 g/km. Realistisch betrachtet, beginnt der Verbrauch natürlich bei 12 l/100km. Auf Twitter, dem Portal der Belanglosigkeiten, bewarb Mercedes ihn mit diesen Worten:
"If this summer wasn't warm enough already, the Mercedes-AMG GLA 45 4MATIC, 381 PS, will heat things up even more with this red-hot finish."
Stimmt, allerdings spielt die Farbe dabei keine Rolle!

Werden Greta Thunberg und andere Mitstreiter ein Umdenken bewirken. Wenn Sie mich fragen. ob ich daran glaube: Ich würde es gerne.

Was würde ein Gepard machen, wenn er größer und schwerer wäre? Aussterben.



Montag, 16. Dezember 2013
Ausgebremst
Wie ist das, die Macht über seinen Körper zu verlieren? Normalerweise folgt dem Gedanken die Tat auf dem Fuße. Man denkt, ich geh jetzt mal dort hin und dann geht man einfach dorthin. Es geht aber auch anders wie ich heute erfahren musste. Diese Erkenntnis war genauso erschreckend wie verblüffend. Ich befahl meinen Beinen sich zu bewegen, der erste Schritt begann und wurde plötzlich jäh unterbrochen. Irgendetwas stoppte meine Beine. Und das Erschreckende daran war, dass ich den Befehl dazu definitiv nicht gegeben hatte! Heraus kam für den außenstehenden Betrachter eine Bewegung, die halb nach Stolpern, halb nach Slapstick ausgesehen haben dürfte. Der Person in meiner Nähe, die vermutlich Auslöser dafür war, entfuhr ein „Hoppla“. Vor eigener Verblüffung konnte ich darauf ebenso wenig reagieren wie zuvor auf die abgebrochene Bewegung.
Ich hatte schon angedeutet, dass ich eine Person verdächtige, der Auslöser für diese eigenartige Situation gewesen zu sein. Der Frau, die „Hoppla“ sagte, begegne ich häufig, da sie in einer Gastwirtschaft arbeitet, in der ich mittags einzukehren pflege. Ich hatte einmal den Versuch unternommen, mit der sympathischen Frau etwas zu flirten, doch als ich sie schließlich zu einem Kaffee einzuladen versuchte, verpasste sie mir eine glatte Abfuhr. Diese von mir keinesfalls erwartete Reaktion hatte mich damals schockiert. Natürlich bleibt einem in dieser Situation nichts anderes übrig, als den Tatsachen ins Auge zu blicken. Sympathie kann man nun mal nicht erzwingen. Nach außen hin war ich danach um einen distanzierten, normalen Umgang bemüht, was auch funktionierte, innerlich aber nagte diese, jetzt schon länger zurückliegende, Ablehnung latent weiter an mir.
Diese Bewegung, die ich bewusst begonnen hatte und die plötzlich völlig unerwartet und unbewusst von etwas Unheimlichem gestoppt wurde, hatte meines Erachtens damit zu tun, dass ich aus einer Drehbewegung heraus plötzlich besagte Frau schon recht nah wahrnahm wie sie mir entgegenkam und dabei den von mir geplanten Weg zu kreuzen beabsichtigte. Im Bruchteil einer Sekunde hatte ich entschieden, nicht zu warten bis sie an mir vorbeigelaufen war sondern vor ihr schnell den von mir beabsichtigten Weg zu beschreiten. Ich hätte dies auch problemlos geschafft, wenn mich nicht irgendetwas abrupt daran gehindert hätte. In diesem Moment muss meine Psyche eingegriffen und mich ausgebremst haben. Anders kann ich mir das Ganze nicht erklären.